Der Müssener Findling

Wahrzeichen und Kultstätte

Im Zentrum des Ortes, umgeben von der alten und neuen Schule, des Feuerwehrgerätehauses, dem Sportplatz und dem Schützenheim, befindet sich auf einer kleinen Anhöhe, der „Müssener Findling“. Kaum ein Besucher Müssens versäumt es, dieses beeindruckende Relikt aus der Frühzeit der Erdgeschichte zu besuchen und andächtig in seinem Schatten zu verweilen.

Bereits vor etwa 4500 Jahren, zur Zeit der ersten Besiedelung durch die Musseken, einem Germanenstamm, der um 5300 bis 4000 vor Chr. das Gebiet nördlich der Elbe besiedelte, galt dieser Ort als Kultstätte. Die Musseken glaubten, dass der Stein von Thor im Streit mit einem Riesen aus der Tiefe der Erde gerissen wurde, um ihn an dessen Kopf zu schleudern, ihn jedoch verfehlte und an diesem Platze liegen blieb.

So wurden an diesem Stein die Versammlungen der Dorfältesten abgehalten und Recht gesprochen. Junge Paare wurden unter dem Stein verheiratet, kultische Feste gefeiert und böse Geister vertrieben. Jüngere Ausgrabungen brachten zu Tage, dass anders als bisher vermutet, die Musseken bereits einen starken Gemeinschaftsinn besaßen, sowie in der Lage waren, eine Kuh zu melken.

Auch in unserem Jahrhundert hat der Stein nichts von seiner Bedeutung für die in seiner Nähe wohnenden Menschen verloren und viele Bräuche aus der fernen Vorzeit haben bis heute ihre Spuren hinterlassen. So hält der Bürgermeister alljährlich zur Sommersonnenwende vom Stein herab seine Jahresansprache an die Müssener Bürger. Zügelloser geht es dann im Spätsommer bei den Fruchtbarkeits-Zeremonien zu, wenn der Stein Mittelpunkt ausschweifender Festlichkeiten ist.

Ein solch heidnisches Treiben findet nicht bei jedem Müssener Bürger Anklang, und so gibt es Leute, die vehement behaupten, dass der Stein erst vor wenigen Jahren mit einem Schwertransporter hierher geschafft worden sei, und nicht bereits seit Jahrtausenden der Mittelpunkt aller bisherigen Siedlungen ist. Aber das gehört wohl eher ins Reich der Märchen und Sagen.

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